Archiv der Kategorie 'artikel'

Die Pioniertage des Techno

freak

Mijk van Dijk schreibt auf spiegel online über die anfänge des techno.
diesselben hintergründe wurden in We Call It Techno! beleuchtet; der mich auf der premiere sehr gut unterhalten hat. die DVD ist auch grad erschienen >>> kaufen

Den Chef hats erwischt

Wir trauern um Albert Hofmann

Der Vater des LSD sowie der Psilocybinbforschung, Albert Hofmann, ist im gesegneten Alter von 102 Jahren in Burg/Schweiz gestorben. Albert Hofmann entdeckte 1943 zufällig die halluzinogene Wirkung von LSD und bereiste in den 1950er Jahren Mexiko, um zusammen mit dem amerikanischen Pilzexperten Wasson die genaue Zusammensetzung und Wirkungsweise von Psilocybin zu erforschen. Dr. Hofmann hat sich im Laufe seines Lebens immer wieder sehr sachlich und auch kritisch mit den Nutzen und Gefahren seinen Entdeckungen auseinandergesetzt und zeitlebens vor sowohl vor der Verteufelung als auch vor der Verherrlichung von LSD, Psilocybin oder anderen Halluzinogenen gewarnt.

albert doppelt beträufelt

wenn die katzenminze mal aus ist

pillen fürs kätzchen

Bruno Pronsato: Why Can‘t We Be Like Us (hello?repeat records)

Bruno Pronsato

Ursprünglich hat Steven Ford alias Bruno Pronsato seine Wurzeln in der Hardrockszene seiner Heimatstadt Seattle. 2003 präsentierte er erstmals auf Orac Records seine Vorstellung elektronischer Musik, die von drumlastigen Rhythmen und treibenden Elementen bestimmt ist. Es folgten Veröffentlichungen u.a. auf PhilPot, Perlon, Telegraph und Akufens Musique Risquée. Obwohl ein Vertreter des zeitgenössischen Minimal-Techno, geht der Stil des in Berlin lebenden Italo-Kanadiers weit über den typisch formalistischen Minimalismus hinaus. Statt stromlinienförmigen Minimal im Auge zuhaben, schwebte ihm ein neuer, abstrakterer Sound vor, der von einer dunklen, organisch perkussiven Note lebt. Nach drei Jahren Pause bringt der Produzent und begnadete Live-Performer Bruno Pronsato wieder ein Album in Umlauf. Diesmal erzählt er mit linearer Funkyness eine aus neun langen Stücken bestehende Geschichte mit überraschenden Wendungen, flirrenden Sounds, warmen Basslines, losen Vocalsamples, raumgreifenden, bauchigen Tom-Drums und Claps. Von Kapitel zu Kapitel werden rhythmische Emotionen freigesetzt, die handelsüblicher Dramaturgie die kalte Schulter zeigen. Am Ende des Albums gipfeln diese Kreationen dann klimatisch im letzten Stück, das dem Album auch seinen Namen gibt: „Why Can‘t We Be Like Us“. Eine gereifte Form von Clicks‘n'Cuts.

http://www.hellorepeat.com
http://www.wordandsound.net

Rezension: Roly

LSD zum Frühstück

kellogs lsd

Grüne Elefanten tanzen, bedröhnte Bären jonglieren: Wenn es nach der bizarren Bilderwelt auf Müsli-Packungen geht, regiert an deutschen Frühstückstischen der helle Wahnsinn. Sebastian Heilig macht sexuelle Enthaltsamkeit und kleine, weiße Kristalle dafür verantwortlich.

Ich fühle mich beobachtet. Ich sitze am Frühstückstisch, mein Kopf dicht über der Schüssel, und löffle Cornflakes. Das Frühstück der Champions. In der Milch vor mir schwimmen kleine grüne, orange und lilafarbene Rettungsringe, „Fruit Rings“ heißen die. Nur, wer sind die beiden grünen Elefanten? Mit irrsinnig rollenden Augen tanzen sie auf den Cerealien, die auf der Schachtel abgebildet sind. Ich will nicht tanzen. Ich bin müde, ungeduscht und will, dass diese überdrehten Tiere aufhören, mich mit ihren zahnlosen Mündern anzugrinsen. Was habt ihr hier an meinem Frühstückstisch zu suchen? Seid ihr auf Drogen? Und vor allem: Was sollen die Kinder denken? Nicht meine, alle Kinder, die jeden morgen am Frühstückstisch von tanzenden grünen Elefanten, sportiven Tigern, irre schielenden Bienen und Mäusen mit weit aufgerissenen Augen begrüßt werden?

Vielleicht sollte ich mich einfach wieder hinlegen.

Komisch, als Kind hat mich das nie gewundert: Tony, der hyperaktive Tiger von der Kellogs-“Frosties“-Packung, saß mir oft gegenüber. Beinahe jeden Tag vor der Schule. Auch damals war ich schon ein Morgenmuffel – und Tony war eben dazu da, mich fit zu machen. In den Werbespots motivierte er schlappe Jungs und Mädchen dazu, lässige Tricks mit dem Skateboard zu riskieren oder verwegene Körbe zu werfen, um andere Kinder zu beeindrucken. „Die wecken den Tiger in Dir“, hieß es. „Und Dir!“, fügte Tony hinzu und meinte mich. Der Tiger stand für Kraft und Elan, das erscheint mir sogar heute noch logisch. Schließlich warb ein Artverwandter auch für Benzin.

Dann gab es da noch diese Flakes mit dem durchgedrehten Bären. Mit seiner bloßen Präsenz versprach er mir Schokolade, das kannte ich schon von dem Schoko-Karamell-Eis „Brauner Bär“. Sowas lernt man als Kind im Freibad. Mein liebster Tischgenosse war allerdings dieser fantastisch gelaunte Frosch mit der Schirmmütze. Er war das Tier auf den „Smacks“. Der Zusammenhang zwischen Fröschen und Honig hat sich mir allerdings bis heute nicht erschlossen. Doch die größte Frage bleibt: Warum müssen diese merkwürdig bedröhnten Tiere mir beim Frühstück Gesellschaft leisten?

Sexuelle Enthaltsamkeit und ein mysteriöser Vibrationsstuhl

Warum nicht? Schon der Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg war völlig durchgeknallt. Ende des 19. Jahrhunderts leitete er das Battle Creek Sanatorium, eine Wellness-Klinik in Michigan. Ein Ort, an dem man die Methoden der Schulmedizin grundsätzlich ablehnte. Wesentliche Bestandteile der Wohlfühl-Therapie waren vegetarische Ernährung und sexuelle Enthaltsamkeit, aber auch ein mysteriöser Vibrationsstuhl und Einläufe bis zum Abwinken. Das Sanatorium war in wohlhabenden Kreisen enorm beliebt. Persönlichkeiten wie Henry Ford, Thomas Alva Edison oder Sarah Bernhardt kamen zur Erholung in die Wohlfühl-Klinik.

Die Erfindung der Cornflakes war, wie so viele bedeutsame Erfindungen, eher ein Zufall: John Harvey war mit seinem Bruder Will auf der Suche nach einem gesunden Frühstück für die Gäste des Sanatoriums. Sie forschten nach einer günstigen aber nahrhaften Alternative zum Brot, als eines Abends eine Schüssel mit gekochten Weizenflocken im Labor stehen blieb. Am nächsten Morgen waren die Flocken vertrocknet: Heureka!

Diese Erfindung mache ich in meiner Küche regelmäßig. Nur käme ich nie auf den Gedanken, die Flocken vom Geschirr zu kratzen und zu verzehren. Die Kellogs-Brüder taten es – und waren begeistert. Das einzige Problem war der fade Geschmack ihrer neuen Kreation. Will löste es durch die massive Zugabe von Zucker. Einer Zutat, die bis heute wesentlich zum Erfolg der Frühstücks-Cerealien beiträgt, unter den Brüdern jedoch zu einem dauerhaften Streit führte. Denn für John war Zucker nicht vereinbar mit seiner Wellness-Philosophie. Man ging getrennte Wege: John experimentierte nicht minder visionär mit Fleischersatzprodukten aus Soja und künstlichen Beefsteakaromen. Will machte Millionen in Zuckerflocken.

Vor der Schule eine Linie Zucker

Zucker! Genauer gesagt: rund 30 Gramm Zucker in 100 Gramm Frühstücksflocken. Ist das die Erklärung? Ist vielleicht dieses weiße, kristalline Pulver verantwortlich für die debile Tiergesellschaft auf den Frühstücksverpackungen? Ernährungswissenschaftler warnen: Zucker erhöht kurzfristig unsere Leistungsfähigkeit, macht aber auch schwer abhängig, dick und frisst Löcher in die Zähne. Aus eben diesen Gründen buk meine Mutter jahrelang Weihnachtsplätzchen mit Honig statt mit Zucker. Familienintern sorgte das für ähnliche Spannungen wie bei den Kellogg-Brüdern. Aber wenn ich mir heute anschaue, was der Zucker offensichtlich mit diesen Tieren angerichtet hat, bin ich ihr dafür sehr dankbar.

Doch meine heile Welt aus Kindheitserinnerungen fällt unaufhaltsam in sich zusammen. Hat vielleicht schon Speedy Gonzales Koks geschnupft? Hatte sich Tony der Tiger schon morgens vor der Schule eine Line Zucker gelegt? Sind die Elefanten vielleicht schon deshalb verdächtig, weil sie einen Rüssel haben? Droht angesichts der zuckerarmen Bio-Welle vielen Kindern kalter Entzug? Und den bunt-bescheuerten Tieren Massenarbeitslosigkeit?

Vor meinem geistigen Auge sehe ich den Smacks-Frosch. Hellgrün verblasst sitzt er in der Fußgängerzone, seine Schirmmütze vor sich – eine stille Bitte um eine Spende. Der „Krispies“-Affe, dazu verdammt Spielzeuge herzustellen, die den neuen Öko-Flake-Kartons als Gimmick beigelegt werden: Sammelfiguren von Peter Lustig etwa, oder Holzspielzeug. In meinem Traum entdecken die grünen „Fruit-Rings“-Elefanten in der Entzugsklinik ihre kreative Ader und gestalten Mobiles zum Ausschneiden für die Rückseiten der Packungen.

Cerealien-Zoo auf Dünnfilm-Display

Was die Zukunft der seltsamen Tierwelt auf den Frühstückflocken-Kartons bringt – man weiß es nicht genau. Aber es ist Schlimmes zu befürchten: Die Studie „2020 Future Vision“ fasste vergangenes Jahr Erkenntnisse und Voraussagen von Futurologen, Designern und Technologie-Experten zusammen. Wenn man ihnen glaubt, zieren möglicherweise schon bald flexible Dünnfilm-Displays die Cornflakes-Kartons. Der Cerealien-Zoo wird dann nicht mehr zu halten sein, wird springen, tanzen, lachen und unendliche Glückseligkeit versprühen. Natürlich alles dank der verzuckerten Knusperflocken.

Es ist ganz schön kalt draußen. Die bunten Müsli-Ringe mit den tanzenden Rüsseltieren habe ich trotzdem in den Ausguss gekippt, die Verpackung mit den grünen Elefanten tief in den Mülleimer gestopft und mich für den Weg zum Bäcker entschieden. Ich kaufe Vollkornbrötchen und ein Croissant. Zurück am Frühstückstisch fällt mir auf, dass auf der Brötchentüte eine Brezel und ein Croissant abgebildet sind – sie halten sich bei den Händen und schauen mir mit vergnügtem Blick auf den Teller.

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LSD kellogs bär